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23. Juni 2007

E viva España!


„Cervezaa! Coca-colaquaa!“, ruft Strandverkäufer Pepe mit seiner markanten, einprägsamen Stimme am Strand von Sitges. Dass Cola und Aqua ein gemeinsames Wort bilden, habe ich erst hier vor Jahren gelernt. So wie Pepe ist Vieles wie immer in Sitges. Wir sind allerdings nicht wie jedes Jahr im Calipolis, sondern an der Strandpromenade zwei Häuser weiter eingezogen. Unser bisheriges Hotel Calipolis hatte innerhalb der letzten fünf Jahre seine Preise verdoppelt. Logisch, denn Spanien geht es gut.

Politik und Wirtschaft florieren. Seit 14 Jahren wächst die spanische Wirtschaft, bei gesundem Staats- haushalt. Die Arbeitslosigkeit konnte in zehn Jahren mehr als halbiert werden. Man kann die Entwicklung auch in Sitges sehen: Es haben neue Geschäfte eröffnet. Ältere Läden haben ihre Auslagen durch prächtige, einladende Schaufensterscheiben verschönert.
Auch politisch ist Spanien in Bewegung. Seit 2004 regieren die spanischen Sozialisten unter Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. Selbst die Homo-Ehe ist möglich geworden. Und das im römisch-katholischen Spanien! Da geht es den Spaniern politisch besser als den katholischen Italienern, die immer noch dabei sind, die Herrschaft ihres Mediendiktators Berlusconi zu verdauen. In Sitges sehe ich schwule Italiener nicht so zahlreich wie sonst. Obwohl uns insgesamt der Anteil der Schwulen im Ort höher erscheint als letztes Jahr. Beides hat aber wohl weniger mit Politik zu tun, sondern vielmehr dass die Urlaubs- und Ferienzeit weder in Italien noch in Spanien richtig begonnen hat.

Genauso gut wie Spanien scheint es auch Pepe zu gehen. Manchmal sitzt Pepe auf seiner Kühlbox unter dem Schatten irgendeines Sonnenschirms und raucht sich eine. Selbst in dieser Pause dreht Pepe auf. Er schreit plötzlich und mit kurzen Pausen hinaus: „Chico! [Pause] Boy! [Pause] Darling! [Pause] Señor!“ Wer Pepe nicht kennt, schaut sich fragend um, wen er meinen könnte. Pepe meint niemanden und jeden. Wenn ich ihn da einsam sitzen sehe, dann erinnert er mich an einen grauen Papagei, der in seinem goldenen Käfig unwillkürlich loskrächzt. Man weiß nicht, ob der Vogel seinen Schrei gezielt überlegt hat oder ob sein Geplärre eher zufällig eine Bezeichnung richtig trifft. Aber es ist der Strand von Pepe. Da kann Pepe tun und lassen, was er will. Vielleicht irre ich mich ja auch und Pepe weiß genau, was er tut. Pepe ist bestimmt der beste Verkäufer am Strand, da bin ich mir sicher. Und dann trällert Pepe noch irgendein katalanisches Lied laut vor sich hin. Wie viele andere höre ich nicht zu. Ich höre lieber „Summer Wine“ über den mp3-Player. Pepe geht weiter, ruft: „Hola, chico, hola!“, als würde er tatsächlich einen alten Kumpel mit seinem spanischen „Hallo“ begrüßen.

Um es kurz zu sagen: Über Spanien scheint die Sonne. Spanien geht es gut. Uns auch.

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